The Beekeeper and his Son

Vadim Jendreyko über die Zusammenarbeit mit Diedie Weng

Anmerkung des Ko-Autors

Diedie Weng war eine der Teilnehmerinnen eines Dokumentarfilm-Workshops, der von Swiss Films und der Caochangdi (CCD) Workstation in Peking organisiert wurde und den ich im Mai 2010 leitete. Sie erzählte mir von einem Filmprojekt mit einem Bienenzüchter in einer chinesischen Provinz im Norden Chinas. Zwei Jahre später traf ich Diedie erneut und wir tauschten uns über ihren Fortschritt bei ersten Dreharbeiten aus.

Als sie mir Aufnahmen zeigte, wurde mein Interesse geweckt. Mit viel Taktgefühl gelang es ihr, einem sperrigen alten Mann und seinem charakterlich völlig anders gepolten Sohn nahe zu kommen und über deren Beziehung einen Generationenkonflikt zu beschreiben. Diese Innenansicht der chinesischen Gesellschaft kannte ich so bisher nicht.

Diedie arbeitete anfänglich auf eigene Faust und filmte alleine. Auf ihren Wunsch hin, und weil mich ihre Entschlossenheit und ihr Umgang mit ihren Protagonisten beeindruckten, begann ich, sie dabei aus der Ferne zu betreuen. Dabei ging es zunächst um das Drehkonzept, um künstlerische und dramaturgische Fragen wie die Entwicklung von Erzählbögen. Um die Herstellung eines Dokumentarfilmes auf professionellem Niveau zu ermöglichen, stieg Mira Film als Produktionsfirma ein. Die Zusammenarbeit zwischen Diedie und mir intensivierte sich bis hin zum gemeinsamen Schnitt des Filmes.

Künstlerisch war es mir sehr wichtig, in unserer sehr engen Zusammenarbeit darauf zu achten, dass es schlussendlich ihr Film in ihrer eigenen Handschrift wird. Selber verstehe ich mich als ihr Koautor und Editor.

Für mich war das Projekt wie eine Reise ins Landesinnere von China, die mir einen persönlichen Zugang und ein differenzierteres Verständnis für Land und Leute eröffnet hat. Spannend war auch zu erleben, wie über alle sprachlichen und kulturellen Grenzen hinweg bestimmte menschliche Eigenschaften und Generationen- und Familienkonflikte universale Gültigkeit zu haben scheinen. Vieles erschloss sich mir, auch ohne dass ich ein Wort chinesisch verstehe. Vielleicht konnte ich mich deshalb so gut mit dem heimlichen Protagonisten des Filmes, der Gans, identifizieren.

Ich bin überzeugt, dass Diedie Weng mit ihrem Talent und ihrem feinen kinematografischen Gespür weitere Filme gelingen werden, die tiefen Einblick in dieses inzwischen so allgegenwärtige und uns doch fremde China eröffnen.

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